Das Design and Technology Lab der Fachrichtung Industrial Design der ZHdK und der Product Development Group der ETH Zürich ist eine hochschulübergreifende Ausbildungsplattform für interdisziplinäre Innovationsprojekte.

Melkschemel der Zukunft

Cangoonee

Melkschemel der Zukunft

Das Design and Technology Lab der Fachrichtung Industrial Design der ZHdK und der Product Development Group der ETH Zürich ist eine hochschulübergreifende Ausbildungsplattform für interdisziplinäre Innovationsprojekte.

Muskel-Skelett-Erkrankungen sind die Hauptursache für Arbeitsunfähigkeit in der Fertigungsindustrie. Die mit dem Alter zunehmenden Beschwerden entstehen häufig durch falsche Arbeitshaltungen oder Überbeanspruchung des Bewegungsapparates.

Als Präventivmassnahme werden in der Montage aktuell Exoskelette getestet. Diese dienen Arbeitenden als äussere Stützstrukturen und bewirken eine Entlastung des Muskel-Skeletts. Die Firma Noonee ist in diesem Bereich in der Produktentwicklung tätig und war Initiantin für Cangoonee.

Ziel der Designstudie ist es, eine neuartige Produktvision zu präsentieren, welche Aktives Sitzen ermöglicht und maximale Bewegungsfreiheit gewährleistet.

Interview mit Stefan Villiger:

Was hattest du vor dem Projekt „Cangoonee“ für eine Vorstellung von Design?

Design war für mich gleichbedeutend mit Ästhetik, mit dem Äusseren der Dinge, ihrer Form und Oberfläche. In dem Projekt habe ich gelernt, dass es im Design um sehr viel mehr geht, um die Bedürfnisse der Anwender zum Beispiel und um einen ganzheitlichen Blick auf ein Problem.

Inwiefern unterscheidet sich aus deiner Sicht das Design von den Ingenieurwissenschaften?

Designer und Designerinnen denken visionärer. Sie peilen immer eine Ideallösung an, ein Optimum. Als Ingenieur denke ich pragmatischer. Ich gehe Schritt für Schritt vor und schaue, was sich machen lässt. David, mein Sparringpartner in dem Projekt, hat mich immer wieder herausgefordert. In diesem Austausch unterschiedlicher Ansichten und Vorgehensweisen entsteht Mehrwert. Das ist intensiv, aber am Ende effektiv.

Worin siehst du den grössten Unterschied zwischen der ETH und der ZHdK?

In meinem Studiengang waren wir am Anfang rund 500 Studierende; 300 schliessen gemeinsam mit mir ab. Die ETH ist riesig und damit auch anonym. Jeder macht sein Ding und Austausch gibt es nur, wenn du dich einer Lerngruppe anschliesst. Das ist in den Ateliers an der ZHdK ganz anders. Da stehen alle für Fragen zur Verfügung; man hilft sich gegenseitig. Zudem ist das Studium an der ZHdK durchwegs projektorientiert. Die Ausbildung an der ETH ist theoretischer, weniger handfest. Auch stehen bei uns oft die Kosten im Vordergrund: Lässt sich eine Lösung finanzieren? Oder wäre eine Standardlösung nicht günstiger? Diesbezüglich ist die ZHdK unvoreingenommener.

Was empfiehlst du Kollegen und Kolleginnen, die ein interdisziplinäres Projekt in Angriff nehmen?

Mach es! Go for it! Es lohnt sich! Da kannst du etwas von Grund auf machen, von der ersten Idee bis zur letzten Präsentation. Du lernst den ganzen Prozess einer Produktentwicklung kennen und du lernst, was es heisst für eine Sache gerade zu stehen, sie zu verkaufen und verteidigen. Empfehlen würde ich zudem, alles gut zu dokumentieren, jeden Zwischenschritt festzuhalten und jede Berechnung genau aufzuschreiben. Das geht in der Hitze des Gefechts schnell unter.



Interview mit David Flagmeier:

Du arbeitest im Tandem mit einem angehenden ETH-Ingenieur. Womit hast du nicht gerechnet?

Dass es so gut läuft! In einer interdisziplinären Kooperation mit unterschiedlichen Stakeholdern liegt ja durchaus Konfliktpotenzial oder es hätten zeittechnische Probleme auftauchen können. Bisher liegen wir aber gut im Plan und Stefan und ich verstehen uns bestens.

Wie seid ihr auf eure Lösung gekommen?

Ich habe mich bereits im theoretischen Teil meiner BA-Thesis intensiv mit dem Thema der tragbaren Robotik beschäftigt und eine gute Ausgangslage erarbeitet. Gemeinsam haben wir dann rumgetüftelt, skizziert, Prototypen gebaut, diskutiert, gekritzelt und immer wieder Feedback eingeholt. Was am Ende dabei rausgekommen ist, hat uns beide überrascht.

Wo liegen die grössten Herausforderungen?

Der Zeitplan ist ambitioniert. Ich arbeite an einem Designprototyp im Massstab 1:1, während mein Kollege die technischen Fragen klärt. Die Entwurfsarbeit besteht aus einem Spagat — oder besser: einem Balanceakt — zwischen Vision und Machbarkeit. Aber sie macht grossen Spass. Die Mischung aus Erfinden und Gestalten gefällt mir und zudem ist Industrial Design der einzige Beruf, in dem man mit Legotechnik spielen kann.

Woran wirst du dich erinnern? 

An die Kickoff-Phase. Wir waren ein paar Tage in Amsterdam, haben dort die Fachtagung „Exoskeletons and Soft Wearable Robotics“ besucht, waren an der Messe „Rapid Pro“, haben israelischen Humus gemampft und ein Jazzkonzert besucht. Die Reise hat den Boden gelegt für eine super Zusammenarbeit.

Gestaltung:

Studios Zürich, Basel

 

Umsetzung:

Neusicht

 

Copyright:

©DTL, 2016

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