Das Design and Technology Lab der Fachrichtung Industrial Design der ZHdK und der Product Development Group der ETH Zürich ist eine hochschulübergreifende Ausbildungsplattform für interdisziplinäre Innovationsprojekte.

Wo Abfall zur Ressource wird

PressPoint

Wo Abfall zur Ressource wird

Das Design and Technology Lab der Fachrichtung Industrial Design der ZHdK und der Product Development Group der ETH Zürich ist eine hochschulübergreifende Ausbildungsplattform für interdisziplinäre Innovationsprojekte.

Obwohl sich PET heute gut rezyklieren lässt, wird der Wertstoff in Ghana kaum zurückgeführt.

Verbrauchte Flaschen landen in lokalen Gewässern oder auf riesigen Mülldeponien. Dies begründet sich aus der Tatsache, dass der unkomprimierte Transport sich finanziell nicht rechnet.  

Durch das Konzept dezentraler Collection Points, ist es künftig für Abfallsammler möglich, mit verbrauchtem PET Geld zu verdienen. Mithilfe lokal verfügbarer Mittel wird ein System, dessen Herzstück eine Presse darstellt, aufgebaut. Der PressPoint ist Teil einer holistischen Lösung, bei dem die Rückführung von PET Flaschen in den Materialkreislauf ökonomisch und ökologisch sinnvoll ist.

Interview mit Arthur Collins:

Was war für dich das Ungewöhnlichste an dem Projekt „PressPoint“?

Die Dynamik! An dem Projekt waren viele verschiedene Akteure beteiligt: Professoren, Co-Mentoren aus ETH und ZHdK, Investoren, die Partnerfirma … Jeder hat andere Erwartungen, denen man gerecht werden möchte. Da muss man sich dann manchmal überlegen, welche von all diesen Erwartungen eigentlich Vorrang hat. Gute Kommunikation mit den verschiedenen Parteien nimmt eine wichtige Rolle ein. Eine solche Dynamik ist mir im Studium vorher noch nie begegnet, aber sie ist sicher näher an der Realität von Produktentwicklungsprojekten in der Industrie als das akademische Verhältnis zwischen Student und Professor.

Wo siehst du den grössten Unterschied zwischen der Arbeit eines Maschinenbauers und der eines Industrial Designers?

Etwas vereinfacht könnte man sagen: Der Maschinenbauer kümmert sich darum, dass ein Produkt den vom Kunden gestellten Anforderungen entspricht, während der Industrial Designer über die Funktion hinaus denkt und zum Beispiel auch die Benutzerfreundlichkeit untersucht und das Produkt in einen Kontext setzt. Ohne Industrial Design wird eine vom Maschinenbauer entwickelte Presse in Ghana nur verrosten. Maschinenbau und Industrial Design sind eng verknüpft und die Zusammenarbeit führt zu einem klaren Mehrwert.

Worauf wirst du besonders achten, wenn du das nächste Mal in einem interdisziplinären Team arbeiten wirst?

Austausch und Zusammenarbeit sind gut, aber jeder muss auch seine Spezialisierung, sein Fachwissen ins Spiel bringen können. Das gemeinsame Vorgehen darf kein Teammitglied in irgendeiner Art bremsen. Das nächste Mal werde ich deshalb besonders darauf achten, schon früh im Prozess eine gute Aufgabenteilung vorzunehmen, so dass jede Disziplin ihr Potenzial voll ausschöpfen kann.

Wie geht es jetzt weiter? Für dich und mit dem Projekt? 

Was das Projekt „PressPoint“ angeht, warten wir ab, bis unsere Pläne vor Ort, also in Ghana, umgesetzt werden. Der Projektpartner will Prototypen unserer Presse herstellen lassen und sucht Stiftungen und Investoren, um die Produktion zu fianzieren. Wir bekommen viele Hinweise aus dem Familien- und Freundeskreis, die wir unserem Projektpartner weitergeben. Aber die Realisation ist letztlich seine Sache. Donat und ich werden uns weiterhin halbjährlich treffen, um den Stand der Dinge auszutauschen. Ich selbst beginne im Herbst 2019 ein Masterstudium in Maschinenbau mit Fokus auf Industrial Design und Produktentwicklung und hoffe im Rahmen von Semester- oder Masterprojekten wieder interdisziplinär arbeiten zu können.



Interview mit Donat Mehr:

Vor der Entwurfs- und Entwicklungsarbeit bist du nach Accra und Kumasi gereist. Was hast du dort erlebt?

Jeffrey Provencal, der Gründer von rePATRN, ein Schweizer mit Wurzeln in Ghana, hat uns die Situation vor Ort gezeigt. Wir haben Müllhalden besucht, Metallbauer und Märkte, haben mit Leuten geredet, die auf Schrottplätzen arbeiten, und versucht die Abläufe zu verstehen. Die Abfallthematik ist komplex. Für PET gibt es bisher keine geschlossenen Prozessketten. Vieles wirkt chaotisch, funktioniert dann aber doch, auch wenn wir es nicht verstehen. Die Menschen sind gnadenlos pragmatisch. Musst du ein Dutzend Ziegen von A nach B bringen, verfrachtest du sie einfach ins Gepäckfach des Überlandbusses!

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner?

Wir haben freie Hand und das volle Vertrauen von Jeffrey. Er möchte seiner Heimat etwas zurückgeben und arbeitet daran, ein Recyclingsystem für PET-Flaschen aufzubauen. Noch ist vieles ist unbestimmt. Das Start-up rePATRN hat seine Arbeit eben erst aufgenommen, aber mit Geduld wird das eine gute Sache.

Ihr habt knapp drei Monate Zeit, um einen Prototyp der Presse zu entwickeln. Ist das realistisch?

Der Zeitplan ist ambitioniert, klar, aber das Projekt ist machbar, weil es um eine technisch niederkomplexe, relativ brachial konstruierte Maschine geht – und wir sind hochmotiviert, weil wir an einer Lösung für ein reales Problem arbeiten. Wir haben vom afrikanischen Pragmatismus gelernt und setzen uns klare Ziele: Usability, Herstellbarkeit vor Ort, kluges Design der Sammelpunkte. Wir sind gespannt auf die Umsetzung in Ghana.

Gestaltung:

Studios Zürich, Basel

 

Umsetzung:

Neusicht

 

Copyright:

©DTL, 2016

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